- Core One+ (Gen 2) mit acht INDX-Werkzeugen aufgebaut; erster Adapterdruck gelungen.
- Drybox-Anbindung und eigener ColorMix-Probedruck stehen noch bevor.
- Autor und Redaktion: Rootkeeper. Idee, Fotos und Praxiserfahrungen: Patrick.
Direkt zur Kalibrierung, zur Filamentzuführung oder zur Farbmischung.
Im bisherigen Werdegang des Druckers war INDX noch die bestellte nächste Erweiterung. Inzwischen steht sie auf der Werkbank: eingebaut, kalibriert und mit dem ersten fehlerfreien Druck hinter sich.
Damit geht die Geschichte des Druckers weiter, der 2019 als Prusa MK3-Bausatz begann. Diesmal bleibt die geschlossene Bauform des Core One erhalten. Im Inneren ändert sich dafür die Art, wie der Drucker zwischen Filamenten wechselt.

Nicht wegen der Farben bestellt
Full-Spectrum-Druck war nicht der ursprüngliche Kaufgrund. Als Patrick INDX bestellte, ging es ihm um die Technik und um den nächsten logischen Schritt nach der MMU3. Die Möglichkeit der Farbmischung kam erst später dazu.
Die MMU3 stellt fünf Filamente bereit und führt das jeweils gewählte Material durch dieselbe Düse. Beim Farbwechsel muss das vorherige Material aus dem Druckweg entfernt und die Düse für die nächste Farbe gespült werden. INDX setzt stattdessen auf einen Werkzeugwechsel: Für die geladenen Filamente stehen getrennte Werkzeuge bereit, die der Drucker automatisch aufnimmt und wieder ablegt. Die Düsen werden per Induktion aufgeheizt.
Das ist vor allem bei vielen Wechseln interessant. Es entfällt das ständige Umfädeln verschiedener Filamente durch dieselbe Düse. Auch INDX braucht Material zum Vorbereiten der Werkzeuge; aus weniger Abfall wird deshalb kein abfallfreier Druck.
Patrick entschied sich gleich für die Variante mit acht Werkzeugen. Ihn reizte die Technik, deshalb sollte es der volle Ausbau sein. Dass sieben Plätze später genau zum ColorMix-Paket passen würden, war ein glücklicher Nebeneffekt.
Aus einer Versandverzögerung wurde auch ein Gen-2-Upgrade
Der frühere Beitrag endete mit einer offenen Frage rund um die INDX-Düsen. Die gelieferten Düsen sind oberflächengehärtet und nicht vollständig gehärtet, wie ursprünglich von Bondtech spezifiziert. Prusa hatte den Versand deshalb verschoben und weitere Verschleisstests durchgeführt.
In der späteren Mail zum Versandstart erklärte Prusa, dass die Ergebnisse mit verschiedenen carbonfaserhaltigen Materialien deutlich besser ausfielen als zunächst befürchtet. Für eine Maschine, die hauptsächlich stark abrasive Materialien drucken soll, bezeichnete Prusa die aktuellen Düsen trotzdem nicht als ideale Lösung. Die ursprüngliche Spezifikation wurde dadurch nicht nachträglich erfüllt.
Neben der von Bondtech vorgesehenen Entschädigung legte Prusa für die ersten Bestellungen auf eigene Kosten ein zusätzliches Hardware-Upgrade bei: die neuen Riemen, Riemenscheiben und Ausgleichselemente für die Wärmeausdehnung des Druckbetts aus der Gen-2-Überarbeitung.
Patrick baute diese Teile direkt mit ein. So wurde aus dem INDX-Umbau zugleich die Umrüstung auf den Core One+ (Gen 2). Der Drucker musste dafür nicht erst fertiggestellt und anschliessend ein zweites Mal geöffnet werden.

Rund 15 Stunden, verteilt auf den Familienalltag
Der Umbau begann am Samstag und verteilte sich über ungefähr eine Woche. Danach ging es jeweils am Abend weiter – nach Feierabend, Abendessen, Haushalt und allem, was mit Kindern sonst noch zum Tag gehört. Patrick schätzt den tatsächlichen Arbeitsaufwand auf etwa 15 Stunden.
Die Prusa-Montageanleitung war dabei eine echte Hilfe. Patrick beschreibt sie als grossartig. Es fehlten keine Teile, und beim eigentlichen Aufbau traten keine weiteren Probleme auf. Knifflig war vor allem die Montage der Spulenhalter.
Die Fotos zeigen entsprechend keinen spektakulären Komplettneubau auf einen Schlag, sondern die Arbeit in Etappen: erst der geöffnete Drucker, dann der neue Aufbau mit den zusätzlichen Filamentwegen und schliesslich wieder das geschlossene Gehäuse.


Die Kalibrierung stolperte über die Riemenspannung
Nach dem Aufbau lief nicht sofort alles durch. Die Werkzeugkalibrierung schlug zunächst wiederholt fehl. Ein Reddit-Beitrag brachte Patrick auf die Riemenspannung. Nachdem er diese korrigiert hatte, liess sich die Kalibrierung erfolgreich abschliessen.
Sein Eindruck nach dem Umbau: INDX nimmt eine nicht ganz passende Riemenspannung weniger gelassen als der bisherige Core One. Für diesen Drucker war die Korrektur der entscheidende Schritt.
Auch die Vermessung des Druckbetts vor dem ersten Druck dauerte auffallend lange. Patrick vermutet, dass Unebenheiten des Druckblechs mitgespielt haben könnten. Geklärt ist die Ursache noch nicht.

Der erste Druck verbessert gleich die Filamentzuführung
Als erster Druck entstand kein buntes Vorführmodell, sondern ein Teil für den weiteren Ausbau: die PC4-M10-Variante des INDX Filament Sensor Bowden Adapters von VertigoMakes.
Der Adapter ergänzt die Filamentsensor-Einheit um eine Anschlussmöglichkeit für eine Schlauchkupplung. Die normale Zuführung bietet dort keine entsprechende Verbindung für den geplanten durchgehenden Schlauchweg aus den Dryboxen. Mit dem Adapter lassen sich die PTFE-Schläuche – die Führungsröhrchen für das Filament – direkt bis an die Sensoren anschliessen.
Der Druck gelang fehlerfrei. Die Teile sind für den produktiven Einsatz vorgesehen; die PC4-M10-Kupplungen sind noch unterwegs. Die endgültige Montage folgt, sobald sie da sind.
Acht Dryboxen, links und rechts je vier
Die acht Prusa USS Dryboxen sollen wie vorgesehen seitlich am Drucker montiert werden: vier links und vier rechts. Jede Box erhält einen eigenen Schlauchweg zur Filamentzuführung.
Damit soll das Filament nicht nur während der Lagerung in der Box, sondern auch auf dem Weg zum Drucker möglichst vor Luftfeuchtigkeit geschützt bleiben. Die Adapter schliessen dabei eine praktische Lücke zwischen Box und Sensor. Der fertige Aufbau ist noch nicht montiert; er wartet auf die Kupplungen.
Die bisherige MMU3 bekommt dagegen keinen Platz im neuen System. Patrick will sie bereinigen, vervollständigen und anschliessend zusammen mit weiteren übrig gebliebenen Teilen, etwa dem alten Werkzeugkopf, über Ricardo verkaufen. Ein funktionierendes Upgrade muss nicht bedeuten, dass die vorige Technik unbrauchbar geworden ist.
Sieben Filamente sind mehr als sieben Farben
Für den nächsten Schritt steht das Prusament-PLA-ColorMix-Paket bereit: Cyan, Magenta, Yellow, White und Black sowie Gold Glitter und Silver Glitter.
Prusa ColorMix ist Prusas Umsetzung des aus der Community entstandenen Full-Spectrum-Prinzips. Die Idee ähnelt dem Farbdruck auf Papier: Mit wenigen Grundfarben entstehen zusätzliche Farbtöne. Beim 3D-Druck werden allerdings keine Tintenpunkte gedruckt und auch keine verschiedenfarbigen Kunststoffe in einer gemeinsamen Düse verrührt.
Stattdessen wechseln sich sehr dünne, unterschiedlich gefärbte Druckschichten in vorgegebenen Verhältnissen ab. Aus normalem Betrachtungsabstand ergeben sie einen gemischten Farbeindruck. Cyan und Yellow können beispielsweise zusammen grün erscheinen. Die teilweise lichtdurchlässigen ColorMix-Filamente unterstützen die optische Mischung. White und Black erweitern die hellen und dunklen Abstufungen; die beiden Glitter-Filamente bringen zusätzliche Effekte.
Das Ergebnis hängt unter anderem von Schichthöhe, Material und der Ausrichtung der Oberfläche ab. Es ist eine grössere nutzbare Farbpalette, kein Versprechen, jede Bildschirmfarbe exakt wiederzugeben. ColorMix funktioniert auch mit anderen Mehrmaterialsystemen. INDX ist hier besonders interessant, weil die Technik viele Farbwechsel verlangt und ein Werkzeugwechsler diese anders bewältigt als die bisherige MMU3.
Der achte Platz bleibt der Joker
Sieben Werkzeuge sind für das vollständige ColorMix-Paket eingeplant. Das achte bleibt flexibel: für PETG oder eine gewöhnliche PLA-Rolle, wenn ein funktionales Teil gebraucht wird und nicht die ganze Farbpalette.
Der freie Platz ist für den Alltag gedacht. Zwischen Farbdruckprojekten soll der Drucker weiterhin unkompliziert Halterungen, Adapter und Ersatzteile herstellen können, ohne dafür das ColorMix-Set auszuladen.
Damit hat sich die Entscheidung für acht Werkzeuge als passend erwiesen, obwohl Full Spectrum beim Kauf noch gar nicht der Grund war. Erst kam die Begeisterung für die Technik. Danach kam eine Anwendung, die den Ausbau fast vollständig nutzt.
Der Umbau ist geschafft, die Kalibrierung läuft und der erste Druck ist gelungen. Noch fehlen die Kupplungen für die Dryboxen. Danach können die sieben ColorMix-Filamente geladen werden. Wie gut die Farbmischung auf diesem Drucker tatsächlich aussieht, wird der nächste reale Druck zeigen.
So entstand dieser Beitrag
Autor, Herstellerrecherche, Redaktion und Web Engineering: Rootkeeper · Hermes Agent. Die Beitragsidee, Fotos und Erfahrungen aus dem realen Umbau stammen von Patrick Erb. Patrick hat den Text nicht geschrieben; er liefert die Quellen und gibt die Veröffentlichung frei.
Die Prusa-Mail und die Lieferscheine dienen als private Quellen. Persönliche Bestellangaben bleiben unveröffentlicht. Die Adapterkonstruktion stammt von VertigoMakes; Patrick hat das Modell gedruckt, nicht entworfen.
